Warum gibt es das nicht längst?¶
Diese Frage ist berechtigt, und sie wird hierzulande oft gestellt. Drupal CMS 1.0 erschien am 15. Januar 2025. Warum bekommt man nach einer deutschen Installation trotzdem eine Website mit englischen Beispielinhalten?
Die kurze Antwort: Das liegt nicht an Gleichgültigkeit. Es liegt an Prioritäten und an fehlender Technik.
Die Oberfläche ist wichtiger als die Beispieltexte¶
Drupal wird zum größten Teil von Freiwilligen und von Firmen entwickelt, die ihre Zeit spenden. Diese Zeit ist knapp, und das Drupal-CMS-Team muss entscheiden, welche Probleme zuerst gelöst werden. Aus dieser Sicht ist die Übersetzung der Vorlagen nicht das Dringendste, und dafür gibt es gute Gründe:
- Beispielinhalte sind Platzhalter. Die Texte einer Vorlage sollen ohnehin durch eigene Inhalte ersetzt werden. Manche Vorlagen könnten genauso gut „Lorem ipsum“ enthalten.
- Die Benutzeroberfläche ist für viele Sprachen noch lückenhaft. Die Menüs, Formulare und Meldungen, mit denen man täglich arbeitet, sind in vielen Sprachen noch nicht vollständig übersetzt. Dort hilft jede Übersetzung allen Nutzerinnen und Nutzern, jeden Tag, und nicht nur beim ersten Eindruck.
Diese Abwägung ist nachvollziehbar, und wir teilen sie. Deutsch ist dabei eine Ausnahme: Die Oberfläche ist auf localize.drupal.org sehr gut übersetzt. Deshalb fällt hier umso mehr auf, was noch fehlt.
Es gab schlicht keinen Weg dafür¶
Selbst wer die Vorlagen übersetzen wollte, stand bisher vor einer Wand:
- Übersetzt wird Code, nicht Inhalt. Die Übersetzungsplattform localize.drupal.org sammelt die Texte aus dem Programmcode von Drupal und seinen Modulen. Beispielinhalte (Seiten, Menüs, Bildbeschreibungen) sind aber Inhalte. Für sie gab es keinen vorgesehenen Übersetzungsweg.
- Die Reihenfolge stimmt nicht. Der Installer legt die Beispielinhalte an, bevor die Übersetzungen der Community geladen werden. Selbst eine vorhandene Übersetzung käme zu spät.
- Die Vorlagen sind jung und vielfältig. Die heutigen Vorlagen mit ihren umfangreichen Beispielseiten und dem Seitenbaukasten Canvas sind deutlich jünger als Drupal CMS 1.0. Sie stammen von verschiedenen Agenturen und ändern sich mit fast jeder Version.
- Unterwegs lagen viele Stolpersteine. Beim Übersetzen aller Vorlagen sind wir auf zahlreiche Fehler in Canvas, im Drupal-CMS-Installer, in den Vorlagen und in den Themes gestoßen. Einige Vorlagen ließen sich zeitweise nicht einmal installieren. Die Übersicht dazu steht unter Wie unsere Lösung funktioniert.
Den Grundstein für einen Übersetzungsweg hat Gábor Hojtsy mit Default Content Locale gelegt. Darauf baut dieses Projekt auf.
Warum wir es trotzdem tun¶
In Deutschland, Österreich und der Schweiz erwarten Menschen, dass Software in ihrer Sprache zu ihnen kommt. Wer Drupal CMS auf Deutsch installiert und eine halb englische Website sieht, denkt nicht „die Übersetzung fehlt noch“, sondern: „Warum ist hier denn noch alles Englisch? Ich habe die Software doch auf Deutsch installiert. Das kann ja kein gutes Content-Management-System sein!“
Genau diesen ersten Eindruck wollen wir vermeiden und es stattdessen richtig machen: Wer Deutsch wählt, bekommt Deutsch. Deshalb schließen wir die Lücke selbst, als Beitrag der Community:
- Wir arbeiten nicht gegen Drupal CMS, sondern ergänzen es. Die Übersetzungen der Oberfläche bleiben die wichtigere Aufgabe. Unser Projekt nimmt dem Drupal-CMS-Team keine Zeit weg.
- Alle gefundenen Fehler melden wir an die jeweiligen Projekte, damit sie für alle behoben werden.
- Das Verfahren funktioniert für jede Sprache. Wer seine Sprache beisteuern möchte, findet hier eine Anleitung für Übersetzerinnen und Übersetzer. Wer Vorlagen baut, findet eine Anleitung für Entwicklerinnen und Entwickler.
Unser Ziel ist, dass diese Lösung eines Tages überflüssig wird, weil Drupal CMS sie selbst mitbringt.